Verantwortung

Von der Geduld und der Gelassenheit

In diesem wundervollen Blog-Beitrag von Claudia Lang erzählt sie von Geduld und Gelassenheit - zwei Dinge, die vielen fehlen.

Geduld ist echt nicht meine Stärke!“, erklärt Tom, und schmunzelt dabei ein klein wenig. Obwohl er vor mir sitzt, weil ihm seine Ungeduld und die damit oft verbundene Unhöflichkeit und Anmaßung beinahe das Beziehungs-Aus beschert hätte.

Seine Partnerin hatte es nämlich endgültig satt, ständig seine Wutausbrüche und Streitereien mit diversen Postangestellten, Paketdiensten, Lieferanten, Angestellten,

Autofahrern, Polizisten, und sogar seiner Familie miterleben zu müssen. Auch sie bekam schon mal ihr Fett ab wenn er wiedermal der Meinung war, dass er nicht auf die Welt gekommen sei um auf sie zu warten!

Im Alter wird man geduldiger und gelassener, heißt es. Das stimmt nicht unbedingt.

Tatsächlich hat Ungeduld etwas mit Anmaßung zu tun, und die wiederum ist in jedem Menschen verschieden hoch. Anmaßung und Ungelduld sind damit unwiederlegbar Ausgeburten des Egos eines Menschen. Ein chronisch ungeduldiger Mensch nimmt sich selbst zu wichtig, und darf lernen in seinem Selbstbezug gesundzuschrumpfen!

Und wenn ein Mensch in jungen Jahren oder bereits im Kleinkindalter zur Ungeduld neigte, dann ist das bloße Älterwerden keine Erlösung der Ungeduld. Im Gegenteil, im Alter verstärken sich nicht nur die Falten im Gesicht, sondern auch die Schwächen eines Charakters. – Wir alle haben schon mal die Bekanntschaft mit Pensionisten in irgendeiner Warteschlange des Alltags gemacht. Während berufstätige Menschen die oft wirklich Stress in ihrem Leben haben seelenruhig abwarten, weil sie erkennen, dass noch soviel Gemotze nichts beschleunigen wird, regt sich ausgerechnet die ältere Fraktion lautstark über die Verzögerung auf, als ob sie es eilig hätte pünktlich auf den Friedhof zu kommen.

Ungeduld trägt den Anspruch in sich, dass man immer und überall sofort und gleich dranzukommen hat, weil das „Warten-müssen“, als eine Art Zumutung empfunden wird – wo man doch so wichtig ist, und soviel Besseres zu tun hat, als hier mit all dem Fußvolk herumzuwarten!

Nicht selten sind ungeduldige Menschen auch ziemliche Klugscheißer, denn sie wissen natürlich immer, was die andere Seite hätte besser, schneller und anders machen hätte können, damit man selbst nicht dieser enervierenden Warterei ausgesetzt ist. Die Vorwürfe reichen über schlechte Organisation, bis hin zu unterstellter Faulheit oder auch Stümperei und Kundenfeindlichkeit. In manchen Fällen mag das durchaus auch zutreffen, aber eben nicht in allen.

Und in all diesen Situationen stellt sich die Frage, wie konstruktiv man mit eventuell unabänderlichen Umständen umgehen möchte!?

Auch ich selbst durfte im Alltag unzählige Male der Ungeduld meiner Partner beiwohnen, wobei das Wort „durfte“ hier vor Sarkasmus trieft. Es war beinah schon Gesetz, wenn sich mein Ex-Mann ins Auto setzte und wir gemeinsam zur Arbeit fuhren, dass er immer und ausschließlich die rote Ampel-Welle vorfand. Während wenn ich am Steuer saß, an den gleichen Wochentagen und zu den selben Uhrzeiten wohlgemerkt, wie durch ein Wunder die Ampeln alle auf Grün sprangen. Das ärgerte ihn nur noch mehr. Er entschied sich also die Ampfelschaltung der Wiener Verkehrsbetriebe persönlich zu nehmen.

Und hier greift das Spiegelgesetz wie kaum ein anderer entwicklungsförderlicher Mechanismus. Der, dem die Ampelfarbe egal ist, hat freie Fahrt und die rote Welle nicht nötig. Der, der mit dem Anspruch fährt, dass es Grün zu werden hat sobald er kommt, dem sind die roten Ampeln sicher.

Mein nachfolgender Partner rieb sich nicht an der Ampelfarbe, dafür aber umso lieber an Verkehrsteilnehmern, die aus seiner Sicht aufgrund ihrer Fahrkünste nicht wirklich einen Führerschein bekommen hätten sollen. Und was soll ich sagen: Er hatte tatsächlich auffallend oft, Provokateure, Schleicher, Unsichere oder anderweitig störende Fahrer vor seiner Nase. Allesamt mit ihrem Talent in der linkesten Spur unterwegs. Wo auch sonst!? Denn nur dort war auch mein Partner anzutreffen. Da half oft nicht mal der vernunftsmotivierte Spurwechsel den ich ihm vom Beifahrersitz aus vorschlug, denn sie schienen ihm auch dahin zu folgen.

Es wird wohl für jeden von uns Situationen im Alltag geben, wo es uns nicht immer gelingt gelassen und entspannt zu bleiben. Wer hat es nicht schon mal eilig gehabt, weil der Hund mal wieder den zweiten Schuh versteckt hatte, oder das Kleinkind die Wagenschlüssel im Kühlschrank unter der Extrawurst verräumte, oder aber man selbst einfach mal Verschlafen hatte, weil die Batterie vom Wecker leer war. Und beinah wie vorprogrammiert, ist an genau dem Tag der Stau, der sonst um die Zeit auf der Strecke nie stattfindet.

Ja an manchen Tagen scheint es, als ob Gott doch einen Pick auf einen von uns hat, oder zumindest einen nervtötenden Humor an den Tag legt.

Aber gegen diese Krankheit namens Ungeduld ist ein Kraut gewachsen.

Es nennt sich Gelassenheits-Training und Demutsübung.

Es gibt zahlreiche Wege um damit zu beginnen, aber vor allem ist eines dabei wichtig! Es braucht die Erkenntnis und die ehrliche Einsicht, dass man mit seinem Ungeduldsanspruch weder sich noch anderen etwas Gutes tut, dass man damit sogar verletzend und gemein agiert, dass damit Anmaßung, Härte und Arroganz verbunden sind, und dass in jedem Fall die Liebe in einem Menschen fehlt, der seine Ungeduld nicht in den Griff bekommen will!

Außerdem ist es ein Trugschluss, dass man mit Ungeduld jemals die Welt dazu gebracht hätte sich schneller zu drehen. Eher ist oft Verweigerung und Abwehr oder Trotz das Echo daraus.

Was kann man nun konkret gegen chronische Ungeduld machen?

Wenn Du im Stau stehst, dann nütze die Zeit um die Umgebung zu genießen, oder Musik bewusst zu hören, oder Deine Gedanken zu sortieren, oder eine kurze Meditation zu machen, oder oder oder. Beinah alles ist besser als das cholerische und mürrische Gegrummel, das sowieso nichts bringt, außer Deinem Kreislauf Stresshormone und Deinem Beifahrer schlechte Laune.

Wenn Du in einer Warteschlange oder in einem Warteraum gefangen scheinst, dann plane im Geiste Deinen nächsten Urlaub, oder nimm ein gedankliches Bad in einer Deiner vergangenen schönsten Momente, lies etwas am Handy oder hör dir auch da chillige Musik über Kopfhörer an. Löse ein Kreuzworträtsel auf Deinem Smartphone, oder ruf einen alten Freund an um zu Plaudern.

Wenn Du einen Autofahrer vor dir hast, der Dir auf irgendeine Art und Weise das zügige Vorankommen erschwert (egal aus welchem Grund!), dann übe Dich in mentaler Stärke und emotionaler Größe und schick ihm Licht und Liebe in seinen Wagen. – Du weißt nicht, wie sein Fahrverhalten tatsächlich begründet ist, und selbst wenn nur bloße Dummheit oder sogar Bosheit der Grund dafür wäre, sei doch einfach froh, dass Du klüger und friedfähiger durch diese Welt gehen darfst. Aber vor allem, sei Dir selber wichtig genug, um weder Deinen Körper noch Deine Stimmung mit Ärger zu vergiften, der in wenigen Augenblicken sowieso kein Thema mehr ist, weil dann vielleicht die nächste, extra für Dich bestellte, „Provokation“ lauert.

Du kannst Deine Ungeduld auch mal interviewen und fragen worum es ihr denn tatsächlich geht. In 99 von 100 Fällen sind die Begründungen der Ungeduld keine konstruktiven oder sinnstiftenden, dafür aber umso weiter von Liebe und Gelassenheit entfernt.

Am Ende des Tages, darf sich jeder chronisch ungeduldige Mensch den Spiegel selbst vorhalten, und sich fragen, was ihn denn soviel wichtiger macht, dass die Welt gleich springen muss, nur weil er auftaucht!? Eine solche Haltung zeugt vom Gegenteil eines gesunden Selbstwertes!

Sich selbst nicht immer so wichtig nehmen, und mal auch das eigene Organisationstalent zu überprüfen, sind mit Sicherheit auch nützliche Hinweise, um von dem Anspruch der Geschwindigkeit und der allgegenwärtigen Effizienz runter zu kommen. So machner Ego-Anspruch hinter der Schnelligkeit, hat schon Leben gekostet und Schicksale besiegelt.

Vielleicht oder sogar wahrscheinlich, lautet die Botschaft und die Aufforderung vom Leben an ungeduldige und fahrige Menschen: „Entschleunige Dein Leben“ oder „Lerne Demut, indem Du Stillstand und Innehalten zu genießen verstehst“, denn mit dem ach so wichtigen und meist vorgeschobenen Effizienzanspruch, wird nur allzuhäufig etwas zugedeckt und verdrängt, was weitaus wichtiger wäre, als alle Pünktlichkeit, Geschwindigkeit und Zeitoptimierung dieser Welt!

Oft sind derartig ungesunde und unsympathische Haltungen auf ein Wertesystem zurückzuführen, dass nicht gut reflektiert und nicht ausreichend aussortiert ist!

Wenn Du endlich finden möchtest, was hinter Deiner Ungeduld tatsächlich steckt, stehe ich Dir im geschützen 4-Augen-Rahmen des Life-Coachings gerne zur Verfügung.

Ich wünsche Dir Gelassenheit und Entspannung, wann immer Dein Alltag Dich dazu einlädt, und die Herzensweisheit diese Einladungen zu erkennen!