Ich habe bei meinen männlichen Klienten oft den Fall, dass sie einen unterschwelligen oder sogar vordergründigen Hass auf Frauen im Allgemeinen haben. Ausgelöst durch die verdrängte und unerlaubte Wut auf ihre manipulativen Mütter. Nach außen können das die vollendeten Gentlemen sein, aber früher oder später erwischt die Frau eines solchen Mannes meist völlig unabsichtlich, diesen Mutter-Hass-Triggerpunkt in ihm, und alles Angestaute an versteckter Aggression entlädt sich auf die Partnerin. Fehlgeleitet – keine Frage, und absolut zerstörerisch. Der Killer einer jeden Liebesbeziehung, die hätte funktionieren können, wäre in diesem Mann nicht das unterdrückte und meist uneingestandene Wut-Potenzial auf Mama. Und ganz gleich, ob dieses Wut-Potenzial systemisch gesehen berechtigt oder unberechtigt vorhanden ist, es ist da! Und es wird sich auswirken – und es wird verletzen und zerstören.
Es gibt sogenannte „Opfer-Mütter“. Mütter die entweder dauernd kränklich sind, oder emotional ständig leidend, dauerbeleidigt, eventuell auch ewig einsam, gerne auch mal überfürsorglich, oder herrisch und hysterisch, manipulativ und sämtlichen Männern in ihrem Umfeld das Gefühl gebend, dass sie permanent an allem schuld sind, was auf dieser Welt nicht passt. Vor allem aber, schuld an der chronischen Unzufriedenheit dieser Frau.
Die Macht dieser Opfer-Mütter ist nicht zu unterschätzen! Die Söhne solcher Mütter werden nicht selten als „der bessere Ersatz-Mann“ instrumentalisiert. Ihnen wird vermittelt, dass der Vater ein Versager ist, dass er es eben nicht richtig hinbekommt Mama endlich glücklich zu machen. Und mit einem liebevollen Streichler wird dem Junior suggeriert, dass er hoffentlich nicht so ein Fehlgriff wie sein Vater wird. Dass er es besser macht. Und auch seine Anstrengung wird niemals genug für diese Mutter sein. Denn ihre Hintergrundgeschichte hat in Wahrheit ein ganz anderes Thema.
Jede Mutter hat auch selbst einen Vater. Und wenn dieser Vater kaum oder gar nicht präsent war im Leben des kleinen Mädchens, kommt es vor, dass dieses Mädchen dem Vater böse ist, weil er sie in ihrem Erleben im Stich gelassen hat. Es spielt dabei keine große Rolle, dass in manchen Fällen, der Vater gar nichts von dem Kind wusste weil die Mutter des Mädchens ihm nichts davon gesagt hatte, oder größere Gewalten dafür sorgten, dass er für seine Abwesenheit gar nichts konnte, weil beispielsweise Krieg war. Das Kind ist seinem Vater böse und bleibt es auch – Schluss. Aus. Basta.
Diese Wut wächst sich im Erwachsenwerden dieses Mädchens weiter aus. Sie verlagert sich auf alle Männer die dieser mittlerweile jungen Frau begegnen. Und ihre bloße Ausstrahlung an sämtliche Männer wird den Code senden: „Du musst Dich aufopfernd und ewig um mich kümmern, sonst bist Du so ein Versager und Schuft wie man Papa.“
Selbstverständlich springen darauf wie durch ein Wunder jene Männer an, deren Mutter-Thema zu dem Vater-Thema dieser Frau passt. Denn die Mütter dieser leicht unterdrückbaren Männer, entsprechen bereits dem Charakter dieser Frau, die ihre Wut auf den Vater 1:1 auf die Männer überträgt. Dort angekommen, aktiviert diese anmaßende Erwartungshaltung in einem solchen Mann den angestrengten Diener des Weiblichen. Er bemüht sich alles richtig zu machen, seine Bedürfnisse immer hinten an zu stellen, und sorgt meist auch finanziell ausgiebig für diese Frau. Denn schon bei seiner Mama hat er sich angestrengt und lief in deren Hamsterrad, also macht er das reflexartig auch bei seiner Frau. „Ein guter Mann macht das eben so!“ Und auch ihr ist niemals etwas genug, denn sie will mit ihrer ewigen Unzufriedenheit in Wahrheit ihren Vater bestrafen, agiert das aber an ihrem Mann aus.
Und nun sind wir bei dem Mann angekommen, der in verschiedenen Abstufungen und Varianten vor mir im systemischen Life-Coaching sitzt, und auf den ersten, zweiten und dritten Blick ein vollendeter Kavalier und Gentleman ist. Auf den vierten Blick allerdings, wird sein Aggressionspotenzial auf alles was Weiblich ist sicht- und spürbar. Denn er hat in Wahrheit die Schnauze gestrichen voll davon, von Weibern manipuliert, instrumentalisiert und zum ewigen Diener und Hans Wurst gemacht zu werden. Er hat es satt, sich dauernd entschuldigen zu müssen, und mit einem chronisch schlechten Gewissen herumzulaufen, obwohl er nichts verbrochen hat, außer auf dieser Welt zu sein.
Irgendwie auch verständlich, und meistens tritt sich dieser Mann auch mindestens ein oder sogar mehrere Abziehbilder seiner Mutter im laufe seines Lebens als Partnerin ein. Nur dass in einer solchen Verbindung der kleine Junge in ihm agiert, und nicht der Mann in seiner Paarbeziehung! Diese Mama-Duplikate liefern mit ihm gemeinsam eine relativ gefahrlose und eher mechanische und unterkühlte Beziehung. Beide kennen das Spiel und das spielen sie solange, bis einer genug davon hat und geht, oder bei einem die körperlichen Symptome Alarm schlagen. Dann gibts meist eine Trennung eiskalt serviert aber unspektakulär, und damit ist man wieder frei für die nächste sinnlose Wiederholung mit einem weiteren Mama-Duplikat.
Doch Halt! Gelegentlich hat auch ein solch vergifteter Mann einen zufälligen Glückstreffer, und verliebt sich in eine Frau die eine gänzlich andere Vorgeschichte hat. Die nicht das Geringste mit solch manipulativen Weibern gemeinsam hat, im Gegenteil! In gewisser Hinsicht, ist sie sogar Schicksalsgenossin mit diesem Mann.
Sie hatte einen Vater, der sie tatsächlich im Stich lies, der sie tatsächlich wie Dreck behandelte, der sich tatsächlich niemals um sie gekümmert hat, der einfach alles verabsäumte, was ein anständiger Vater seinem Kind liefern sollte. Diese Sorte Frau, ist meist sehr aufmerksam, hingebungsvoll, liebevoll, verständnisvoll, … denn sie war es gewohnt ignoriert und abgewertet zu werden, egal wie lieb, klug und hübsch sie war. Sie kannte keine ehrliche Zuwendung, dafür aber Übergriffigkeit in allen Varianten. Ihr wurde schon früh beigebracht, dass ihre Bedürfnisse nicht zählen, und der Umgang mit dem Männlichen mit größter Vorsicht zu genießen ist. Und sie hat sich ebenso wie dieser Mann bei seiner Mutter, viel zu lange für einen Vater angestrengt, der keiner war und auch keiner sein wollte.
Eine solche Frau wird an der Seite des Mannes mit der manipulativen Opfer-Mutter zerschellen. Sie wird in ihrer Liebe zu ihm entweder ausgeliefert erleben, oder muss trotz ihrer Liebe zu ihm das Weite suchen. Denn er wird auf Dauer das Gute und die wohlige Nähe die eine solche Beziehung zu bieten hätte, nicht aushalten. Er wird ausgerechnet ihr unterstellen genau wie seine Mutter zu sein. – Weil ja alle Weiber am Ende des Tages so sind. Und damit versetzt er dieser ohnehin schon vom Männlichen malträtierten Frau einen Tritt ins Herz. Die Frau die seine Heilung hätte sein können, und für die er selbst Heilung hätte sein können, treibt er mit dieser „Verwechslung“ und Übertragung von sich weg.
Männer die Söhne von chronischen Opfer-Müttern sind, sehnen sich zwar nach der nährenden und wohligen Nähe des Weiblichen, aber sie trauen ihr nie!
Daher entsteht auf der Paarebene eine Dynamik die man am besten beschreiben könnte mit: Komm ganz nah zu mir – und dann stoß ich dich weg – dann komm wieder ganz nah zu mir, weil ich dich brauche und mich nach dir sehne – aber dann stoß ich dich doch wieder weg, denn deine Nähe und Liebe könnte gefährlich für mich sein, – aber komm doch bitte wieder her, denn ich liebe dich – aber ich bin leider so komplizert, dass ich dich wieder wegstoßen muss.
Und das kann ewig so weitergehen, und wird an sich gute Frauen in die Flucht schlagen so sie über genug Selbstliebe verfügen, und eine innige Liebesbeziehung und die Erfahrung von echter Geborgenheit mit dem Weiblichen, für diesen Mann für immer verunmöglichen.
Es sei denn, er verzichtet darauf im Außen etwas verhindern zu wollen, was ihm in seiner Kindheit widerfahren ist, und unternimmt etwas gegen seinen kindlichen Ur-Schmerz in seinem Inneren. Und das, meine lieben Leser und Leserinnen, sollte unbedingt unter qualifizierter und fachlicher Anleitung und Begleitung geschehen. Denn eine solche Prägung sitzt dermaßen tief, dass man da mit einfach nur drüber nachdenken und Seite umblättern, nicht wirklich rauskommt.
Für einen kleinen Jungen reicht es, wenn die Mutter plötzlich wegbricht oder als Mutter nicht mehr vorhanden ist, um für sämtliche Frauen in seinem Erwachsenen-Leben verdorben zu sein, und nie wieder ins Weibliche Vertrauen fassen zu können.
Paradoxerweise hat es ein solcher Mann mit einer Eisprinzession ungefährlicher und leichter, wenn auch nicht schöner, weil er das Spiel nur zu gut kennt. Damit kennt er sich aus, da weiß er, was er zu liefern und zu tun hat. Und die einzige bestehende Gewissheit darin: es wird nie gut genug sein.
Eine leidenschaftliche Frau die wirklich ihn meint, ist dagegen die viel größere Gefahr im Sinne von Unsicherheit. Denn in sie würde er ja vertrauen müssen, mit ihr wäre es ja wirklich und wahrhaftig Liebe und schön, aber damit kennt er sich nicht aus. Und da auch in einer noch so guten und liebevollen Paarbeziehung mal Alltagsreibereien entstehen, wird das die Zündschnur sein, an der sich das Feuer der Zerstörung entfacht.
Dieser Mann wird in seiner emotionalen Überempfindlichkeit und in seiner Mama-Paranoia auf seine Partnerin unangemessen reagieren, und mit Worten jedenfalls, aber manchmal auch mit Fäusten eindreschen.
Die Mama ist die erste Frau im Leben eines jeden Mannes, und damit auch die erste Weiblichkeitserfahrung für einen Jungen, ebenso wie der Papa der erste Mann im Leben einer jeden Frau ist, und damit auch die erste Männlichkeitserfahrung für ein Mädchen.
In einer anderen Welt, setzen wir psychologischen Dienstleister einfach bei allen verkorksten Müttern und Vätern direkt an, zeigen diesen ihren gesunden Weg raus aus der kindlichen Anklage und rein in die befreiende Demut. – Und allen Generationen danach wäre damit für immer geholfen. Doch es gibt immer eine Generation davor, die ihre Geschichte und ihr Schicksal hat, und die es in ihrem Menschsein und in ihrer Ego-Verhaftung manchmal nicht sehr gut hinbekommt, in Liebe selbst Elternschaft zu leben.
Und weil das eben so ist, kann keine Vorgeschichte und kein Schicksal, und auch kein Elternteil der Welt die Ausrede dafür sein, dass wir auf ein erfülltes und beglückendes Liebesleben verzichten, weil Mama oder Papa es nicht hinbekommen haben gute oder gar perfekte Eltern zu sein.
Keine Frage, es ist nicht schön und für ein Kind schon gar nicht leicht, dass Mütter sowas mit ihren Söhnen oder Männern im Allgemeinen machen. Aber wenn man heranwächst und selbst ein ausgewachsener Mann ist, dann darf man schon auch etwas Verantwortung für sich selbst übernehmen, und den heilsamen Weg aus diesem Drama angehen, anstatt ständig das eigene negative Mutter-Bild auf jede Frau zu übertragen, die einem über den Weg läuft.
Eine solche Übertragung findet für gewöhnlich nicht nur auf die Partnerin statt, sondern auch auf alle anderen Frauen. Zum Beispiel auf Vorgesetzte, auf platonische Freundschaften, auf Frauen im Alltag beim Supermarkt oder auf einem Amt, und manchmal sogar auf eine weibliche Therapeutin, einen weiblichen Life-Coach oder eine psychologische Beraterin.
Ich würde im übrigen jedem betroffenen Mann dringend ans Herz legen, seine psycho-seelische Arbeit in dieser Sache unbedingt bei einem weiblichen Vis-a-Vis zu absolvieren, denn genau das ist der geeignete Prüfstein, ob man vom Weiblichen wirklich vertrauensvoll nehmen lernen kann, oder ob man eine Rest-Aggression und ein Rest-Misstrauen damit in sich bewahrt, weil man die Umgehung des Weiblichen über ein männliches Vis-a-Vis nimmt.
Ich wünsche allen Männern denen dieser Prägungsschuh passt, dass sie ihre Angst vor weiteren leeren Kilometern in dem Hamsterrad einer manipulativen Opfer-Frau überwinden, und lernen jene Frauen zu erkennen, die ihre männliche Hingabe und Fürsorglichkeit nicht nur verdient haben, sondern sogar brauchen um selbst heilsamere Erfahrungen mit dem Männlichen machen zu können.
In Wahrheit können sich nur die zwei verletzten Kinder gegenseitig heilen, um als erwachsene Partner endlich glücklich miteinander werden zu können. Möget ihr Euch finden, und mutig genug sein, um die Liebe zu wählen, statt der Angst!