Verantwortung

Sterben ist auch keine Lösung …

"Sterben ist auch keine Lösung", heißt der neue Blog-Artikel von Claudia Lang.

Soviel wurde schon geschrieben über Leben und Sterben, über Sinn und Unsinn des Lebens…! Aber mal ehrlich: Wer hat danach, wenn er so etwas gelesen hat, wirklich drastisch seine Lebensweise verändert!?

Die einen Leben jeden Tag mit der Angst, dass sie im nächsten Moment bereits sterben könnten, versuchen also dem Sensen-Mann so gut sie können aus dem Weg zu gehen – und leben somit gar nicht.

Die anderen leben nach dem Motto: „Ich mach was ich will, ohne Rücksicht auf Verluste, weil wenn ich tot bin, ist eh alles wurscht.“, und merken nicht, dass sie so einem unnötigen und vor allem vorzeitigen Ende entgegen hasten.

Wieder andere leben scheinbar dauernd auf der Überholspur, weil sie Angst haben, dass sie der Tod „zu früh“ ereilen könnte – schließlich will man ja noch alles unterkriegen, bevor das endgültige Ende anklopft. Und mit diesem Tempo, verpassen sie schließlich doch wieder alles was das wahre Leben ausmachen würde.

Am Ende des Tages verdrängen wir mehr oder weniger den Tod so gut wir können, weil uns die eigene Endlichkeit und Sterblichkeit schlicht und ergreifend Angst einjagt.

Aber was, wenn der Tod an sich, gar niemandem nachjagt!?

Was wenn der Tod nur ein Punkt ist, auf den wir uns alle unweigerlich zubewegen!?

Was wenn er für den einen Erlösung ist, und für einen anderen einfach nur ein Übergang!?

Und was, wenn wir den Tod als Lebensspender ansehen!?

Wenn ich in meinen Selbstliebe-Kursen oder auch im Lebens-Lerngang so selbst-reflektierende Übungen wie „Die letzten 5 Minuten deines Lebens…!“ anleite, dann sieht man Reih um tiefe Betroffenheit und große Rührung in den Gesichtern meiner Teilnehmerschaft. – WARUM? Wo wir doch alle wissen, dass keiner von uns übrig bleiben wird, und, dass für jeden und jede das letzte Stündlein unweigerlich irgendwann schlagen wird…!

Aber was bei diesen Übungen geschieht, und zwar nachhaltiger geschieht als ich es bislang anderweitig sah, ist, dass diese Menschen tief bewegt für sich erkennen, worum es im Leben wirklich geht, worin der jeweilige Sinn des eigenen Daseins liegt oder läge, und dass es auf ganz andere Dinge oder viel mehr Qualitäten und Menschen ankommt, als man in seinem Alltag für gewöhnlich lebt.

Der heilsame Schock über die plötzliche Erkenntnis was in jedem Leben wirklich zählt und von Bedeutung ist, sitzt glücklicherweise bei vielen tief genug, um einen nachhaltigen Sinneswandel und eine bewusstere und liebevollere Lebensgestaltung einzuleiten.

Der Tod ist ein guter Relativierer. Er setzt viele Dinge in unserem Leben in eine angemessenere Dimension. Für einen schwerkranken und todgeweihten ist er pure Gnade. Für einen Lebenden oft der dringend notwendig gewordene Weckruf das Leben zu achten, dankbar zu umarmen und zu feiern. Und durch den Tod an sich, bekommt vieles Bedeutung was gar keine hätte, gäbe es die eigene Endlichkeit nicht.

Natürlich ist es mühsam, wenn man beispielsweise vom re-inkarnativen Ansatz her ausgeht, dass man immer wieder die Reset-Taste drückt, und immer wieder neu inkarniert, um wiedermal gehen, sitzen, sprechen und rechnen zu lernen. Schon wieder Schulbank drücken, schon wieder Pubertät, schon wieder…was auch immer. Aber auf der anderen Seite, eröffnen sich dadurch auch erst die Chancen in einem Leben Architekt und in einem anderen Ballett-Tänzerin zu werden. In einem Leben glücklich verheiratet sein Dasein zu verbringen, und in einem anderen als notorischer Fremdgänger die Kälte des einsamen Wolfes zu ertragen, und die Schuld des Betrügers auszuprobieren.

Selbst in der Denke der Atheisten macht der Tod als Bedeutungsgeber und Relativierer Sinn. Denn da es den „Stirb-und-Werde-Prozess“ im klassischem Sinne dort nicht gibt, verfügt sogar hier die ewige Endlichkeit über einen „Überleg-dir-gut-was-du-tust-Effekt“, denn eine zweite Chance gibt’s ja offenbar nicht.

Und nicht zu vergessen, die Agnostiker! Sie lassen sich sicherheitshalber alle Türen offen, denn beweisbar in klassischem Sinne ist das Göttliche so nicht, aber ausschließen will man es dann auch wieder nicht ganz. Doch sterben tun die auch.

Also ist der Tod etwas, dass uns alle betrifft. Was uns allen blüht und woran keiner vorbei kommt. Ob religiös, agnostisch, atheistisch oder spirituell, ob jung oder alt, ob dunkle oder helle Hautfarbe, ob gute oder schlechte Lebensführung, gestorben wird – ob wir wollen oder nicht. Oder wie meine Großmutter zu sagen pflegte: „Der Herrgott hat noch keinen vergessen!“

Geht es einem Menschen seelisch und/oder körperlich schlecht, wünscht man sich oft den Tod herbei. Ist man alt und gebrechlich, sehnt man ihn sich förmlich herbei, und manche benutzen den vorzeitig herbeigeführten Tod als Schleuderstuhl aus einem Leben, dass ihnen aus welchen Gründen auch immer, unerträglich scheint. Auch als Rache-Akt wird der Tod in Form von Suizid schon mal benutzt. Der Tod soll Liebeskummer augenblicklich beenden, der Tod soll uns von Schuld reinwaschen, der Tod ist der Anlaufhafen so vieler verzweifelter oder auch einsamer Seelen.

Doch Sterben ist in Wahrheit auch keine Lösung. Es hat mal jemand zu mir gesagt: „Wer gut sterben will, der muss gut gelebt haben!“ Aber was heißt „gut leben“ konkret?

In einem sind sich jene die kurz vor ihrem natürlichen Abgang stehen scheinbar einig: Was zählt, ist die Liebe im Herzen, die Liebe die du hoffentlich reichlich geschenkt hast, und die Liebe, die du dir selber angedeihen hast lassen. Nicht zu verwechseln mit schnödem Egoismus oder Vergnügungssucht. Denn gesunde Selbstliebe ist ein über jeden Egoismus erhabenes Gefühl. Und wenn du noch so verzweifelt bist, dich noch so unsagbar traurig fühlst, den Eindruck hast, dass nichts und niemand dich liebt oder je wieder lieben wird, dann ist der Tod immer noch nicht die richtige Ausfahrt!

Das Sterben sollte sich jeder für den Schluss aufheben. Es ist doch irgendwie auch tröstlich, dass sowieso keiner von uns übrig bleibt. Da kann man ebensogut mit der Zeit die uns auf dieser Welt bleibt, etwas vernünftig oder freudvoll Anmutendes anfangen. Und wenn das nicht klappt, dann ändere den Plan oder auch nur den Inhalt, aber wirf nicht gleich alles achtlos weg. Resignation und Feigheit sind überaus un-sexy Eigenschaften.

Du würdest doch auch nicht ein Geschenk, dass du nur zum Teil ausgepackt hast, bereits in den Müll werden – oder!? Zumindest schaut man sich genau an, was in dem Päckchen alles drinnen ist. Und wenn so gar nichts dabei ist, was einem zusagt, dann kann man immer noch darüber nachdenken, wie man reklamiert oder was man aus dem vorhandenen Inhalt neues basteln kann.

Am Ende des Tages, ist der Tod ebenso ein Geschenk wie das Leben. Und vielleicht sind beide gar nicht mal so verschieden!? Deshalb lächle dem Tod freundlich zu, aber lauf ihm nicht nach oder gar vor ihm davon, sondern gestalte, bewältige und genieße das Leben in vollen Zügen und nach Kräften. Der Rest, ergibt sich von ganz alleine. Weder müssen wir uns vorm Tod fürchten, noch sollen wir ihm entgegen-hetzen. Als bester Freund des Lebens, wartet er geduldig auf jeden von uns, und schließt uns liebevoll in seine Arme, wenn unsere Zeit gekommen ist.

Der Tod – in Wahrheit: ein Hoch auf das Leben!

Herzlichst, Deine Claudia Lang